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Ganz persönliche Erinnerungen an Günter Berns (87)

12.03.2018 Aktuelles

Bei der Nachricht vom Tod von Günter Berns kamen mir die „kraft“-vollen Worte des Dichters Gottfried Benn in den Sinn
Günter Berns ist – liest man – gestorben
Verdienste in der Region
hat er erworben
eine Nachrufpersönlichkeit.
Übte unerschrocken Kontrolle,
ob jeder rechtens tat,
Sparkasse, Universität,
DSG und Stiftungsrat.
Zwischen diesen Polen ist sein Leben zu verorten und es war ein kraftvolles, ideenreiches und immer zu Scherzen aufgelegtes Leben, obwohl auch er im persönlichen Umfeld finstere Stunden durchleben musste.

Seine Jugend war gekennzeichnet vom Niederrhein und seiner Messdienerschaft in der katholischen Kirche von Kleve. Der Niederrhein spielte in seinen literarischen Vorlieben eine prägende Rolle. Er hatte die beeindruckende Gabe, Gedichte und Begebenheiten über lange Strecken zu rezitieren, darunter manches Anekdotische vom Niederrhein. Liebevoll pflegte er seine Sammlung von Manesse-Ausgaben. Musik spielte in seinem Leben immer eine herausragende Rolle. So hatte er wesentlichen Anteil daran, dass das Klavierfestival Ruhr regelmäßig Konzerte in Moers veranstaltete. Nicht zu schweigen von seinem langjährigen Engagement als Vorsitzender der Deutschen Schubert Gesellschaft, die ihren Sitz im benachbarten Duisburg hat, mit einer vitalen Niederlassung in Moers.

Sein Berufsleben führte ihn an die Spitze des Vorstands der Sparkasse Moers, die dann mit den Sparkassen in Neukirchen-Vluyn und Rheinberg zur Sparkasse am Niederrhein fusionierte. Das Geschäftsgebiet umfasste auch zu seiner aktiven Zeit wesentliche Bereiche des Niederrheins, so dass er – gut vernetzt in Politik, Wirtschaft, Bankenwelt und Verwaltung – nach Wegen suchte, die Region auch für die Kultur und Wissenschaft zu öffnen. Da kam die Gerhard-Mercator-Universität mit ihrem Rektor Professor Gernot Born, der seinem Rektorat diesen Schwerpunkt vorgab, sehr gelegen. Eine Vielzahl von Projekten nahm ihren Ausgangspunkt in dieser Zeit:

  • Die Moerser Universitätswochen erleben in diesem Jahr ihre 31. Auflage und bieten allen Interessierten mit führenden Wissenschaftlern einen Einblick in aktuelle Forschungsthemen;
  • Die Mitwirkung bei der Gründung von sogenannten An-Instituten der Universität in der Region wie des inzwischen aufgelösten Instituts für Mechatronik in Moers und des Instituts für Energie- und Umwelttechnik;
  • Die kräftig unterstützende Mitwirkung beim Förderverein für Ingenieurwissenschaften – seine Nachfolger im Vorstandsvorsitz sind auch heute noch Schatzmeister – mit der jährlichen Ausschreibung und Verleihung der Innovationspreise Ingenieurwissenschaften für herausragende Dissertationen und Masterarbeiten;
  • Einrichtung eines Begegnungsforums („Sparkassentreff“) für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft;
  • Unterstützung des Instituts für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (INKUR) bei Forschungs- und Buchprojekten insbesondere in Xanten und vieles mehr.


Zur Bündelung der Aktivitäten begründete er 1987 die Kulturstiftung der Sparkasse und rief den Moerser Musiksommer ins Leben. In der Folge konnte mit der Moerser Musikreferentin Dr. Christiane Schumann auch die Deutsche Schubert Gesellschaft ganz wesentlich zur Belebung des regionalen Kulturlebens beitragen. So gab es mehrere international beachtete Kongresse zum Leben und Werk Franz Schuberts in Kooperation mit der Gerhard-Mercator-Universität, der Folkwang Universität der Künste und dem Goethe-Museum in Düsseldorf. Den Lebenstraum eines eigenen Kongress- und Hotelzentrums in Moers konnte er nur in Ansätzen verwirklichen. Die Gerhard-Mercator-Universität Duisburg verlieh dem aktiven Förderer (Gründungsmitglied des IUTA, langjähriges Mitglied im Präsidium der Duisburger Universitätsgesellschaft) 1994 die Würde des Ehrensenators.

Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand 1995 widmete sich Günter Berns gemeinnützigen Zielen: Die WestLB hatte unter Friedel Neuber, seinem Duzfreund und Trauzeugen, die Stiftung Zukunft NRW begründet, deren Leitung und Moderation er einige Jahre verantwortete. Die Stiftung fördert zukunftsorientierte wissenschaftliche und wirtschaftliche Projekte. Legendär sind die Krickenbecker Symposien und Kamingespräche, bei denen oftmals wichtige Entscheidungen fielen.

Und Gottfried Benn beschließt meinen „kraft“-vollen Nachruf mit einer weiteren Passion von Günter Berns:
So schuf er für das Ganze
und hat noch hochbetagt
in Revieren und im Wald
das flinke Wild gejagt,
drum ruft ihm über die Bahre
neben der Industrie
alles Schöne, Gute, Wahre
ein letztes Halalali.

Dr. Klaus-Gotthard Fischer

Neukirchen-Vluyn, 11. März 2018

Pressebild zum Download
https://www.sparkasseamniederrhein.de/images/Kurier_2018/GuenterBerns-Nachruf0318.jpg